Aus dem Keller auf die grüne Wiese: Gisela Holleis, Salzburgerhof Zell am See, "Erfinderin" des Wellness-Urlaubs

Aus dem Keller auf die grüne Wiese: Gisela Holleis, Salzburgerhof Zell am See,
Gisela Holleis und Enkelin Maria (Foto: Nikolaus Faistauer)

Gisela Holleis ist eine Gastgeberin, wie sie im Buche steht: Immer in ihrem Salzburgerhof in Zell am See präsent. Dabei kam der Innovationsgeist der rührigen Unternehmerin nie zu kurz: Nicht umsonst ist sie eine Vorreiterin in Sachen Wellness-Urlaub. Einst eine Frühstückspension, entwickelte sich der Salzburgerhof zu einem der führenden Wellnesshotels in Österreich, ausgezeichnet mit 5 Sternen Superior, 3 Gault-Millau-Hauben, 3 Relax-Lilien. Wir machen einen Blick hinter die Kulissen.

Sie sind eine der Pionierinnen der österreichischen Hotellerie: Sie haben ein Wellness-Hotel geschaffen, als es den Begriff „Wellness“ in der Form noch gar nicht gab. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Ich habe ursprünglich ein Reisebüro betrieben, da haben wir allerdings mit der Qualität der Unterkünfte gekämpft – das waren überwiegend Frühstückspensionen, deren Zimmer das Bad noch am Gang hatten. Mein Mann und ich haben ein altes Bürgerhaus in Zell am See erworben, dieses abreißen lassen und 1967 zu bauen begonnen. Dass unsere Frühstückspension Dusche und WC im Zimmer hatten, hat unseren Installateur so verblüfft, dass er sagte: Meinst du, das rechnet sich? Unser Trachten galt aber immer der Qualität. Als nächstes haben wir die Küche und das Hallenbad gebaut und das Haus so zu einem kleinen Hotel erweitert. Damals hatten wir 1.000 Quadratmeter Grund, heute 6.000. Aber es ist mir wichtig, dass ein Großteil grüne Wiese bleibt. Die Welt sollte generell viel grüner sein.
Wir haben die Wellness aus dem Keller, wo die Räume für Massage und Kosmetik früher waren, auf die Wiese geholt. Ich habe nie die Zimmervermietung als den alleinigen Grund empfunden, aus dem die Leute zu uns kommen. Mein Mann und ich haben den Betrieb in den letzten Jahrzehnten zu einem Wellness- und Kulinarik-Hotel entwickelt.

Welche Rolle spielt die Wellness für Sie persönlich?
Mir waren die Themen Wellness und Wohlbefinden bereits in jungen Jahren ein persönliches Anliegen und ich habe sehr viel selbst unternommen wie Autogenes Training oder vieles andere, um fit zu sein und zu bleiben. Aktuell praktiziere ich täglich Qi Gong und kneippe gerne. Ich bin sehr Naturverbunden, Wellness ist für mich Natur – dahin geht nun auch der Trend. Meinen Gästen im Salzburgerhof biete ich ein buntes Entspannungsprogramm mit wechselnden Angeboten. Yoga, Qi Gong, Ayurveda oder Atemtechniken sind Teil des Salzburgerhof-Programms. Der Feng-Shui Garten ist das Herz des Hotels und trägt auch wesentlich zur Erholung und Entspannung bei.

Der Salzburger Hof gehört zu den führenden Hotels in Österreich. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis? Welche Rolle spielt es, dass Sie hinter und vor den Kulissen immer im Hotel präsent sind?
Der Erfolg kommt vom Arbeiten. Wobei für mich Arbeit immer Freude und nicht Arbeit ist und war. Es war eine glückliche Fügung, dass mein Mann Bauingenieur war und ich aus der Tourismusbranche komme. Mit diesen zwei Kompetenzen und Talenten konnten wir gemeinsam viel schaffen. Ich lebe und wohne im Salzburgerhof, Privates und Berufliches vermischt sich. Dies war für mich immer eine Selbstverständlichkeit und mit keinen Opfern verbunden. Die Gäste schätzen es umsorgt und persönlich angesprochen zu werden. Der Salzburgerhof war immer ein familiär geführtes Hotel, das unterscheidet uns von den vielen Kettenhotels.

Welche weiteren Faktoren waren für Ihren Erfolg ausschlaggebend?
Unser glückliches, zufriedenes Leben, die Familie und unsere Heimatverbundenheit zu Zell am See, dem Salzburger Land und Österreich. Der Salzburgerhof ist aus dem Zusammenhalt der Familie entstanden: Auch meine Eltern und mein Bruder haben im Hotel gearbeitet, mein Bruder hat den Tirolerhof neben dem Salzburgerhof erbaut.

Wie kann man als eingesessene Hoteliers mit neuen Herausforderungen wie z.B. der Covid-Krise umgehen?
Krisen hat es bereits immer gegeben. Es nutzt nichts darüber zu klagen und im Schock zu verharren. Als Unternehmer muss man immer wieder aufstehen und sich der Herausforderung stellen. Es gibt immer eine  Lösung, obwohl sie im ersten Augenblick oftmals nicht sofort offensichtlich erscheint.

Was ist Ihnen an Ihren Mitarbeiter*innen wichtig?
Wir haben Mitarbeiter, die bereits seit vielen Jahrzehnten bei uns im Betrieb mitwirken und sich mit der Arbeit und dem Salzburgerhof identifizieren. Die Identifikation mit dem Arbeitsplatz war in den vergangenen Jahren generell viel höher.
Treue Mitarbeiter sind für uns und unsere Stammgäste unglaublich wichtig. Unsere Gäste freuen sich, die Mitarbeiter wiederzutreffen und über die Jahre hat sich oftmals ein vertrautes Miteinander entwickelt. Die Fluktuation war in den vergangenen Jahren eigentlich nur bedingt ein Thema. Jeder einzelne Mitarbeiter ist wichtig für das einzigartige Urlaubserlebnis der Gäste.

Wie hat sich die heimische Hotellandschaft aus Ihrer Sicht verändert?
Die Zeiten sind anders, man muss sich der Situation anpassen. Der Salzburgerhof hat sich in den letzten 60 Jahren von der Frühstückspension zu einem völlig anderen Haus entwickelt. Der Luxus von einst ist zum Standard der Gegenwart geworden. Besonders im Tourismus ist die Ausschau nach Trends und Entwicklungen notwendig, wobei man immer seiner Linie treu bleiben sollte. Moden hinterherzujagen ist keine Option. Im Salzburgerhof schätzen die Gäste den Luxus eines 5-Sterne-Superior Hotels, das Wellnessangebot und die 3-Haubenküche unseres Küchenchefs Stefan Reiter mit der regionalen Heimatverbundenheit zum Salzburger Land.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Betriebs?
Stabilität und eine gesunde Umwelt. Wir haben einen großen Umbau geplant, um zukünftig noch autonomer und umweltfreundlicher wirken zu können. Wir statten die Dächer mit Fotovoltaik-Anlagen aus, durch eine Wärmepumpe werden wir auf Gas verzichten können und vieles mehr. Das Thema Nachhaltigkeit wird zukünftig die Tourismusbranche wie nie zuvor prägen. Die Bedeutung der Herkunft der Lebensmittel und die nachhaltige Energiegewinnung sind nur zwei Themen, die uns gegenwärtig und in Zukunft beschäftigen werden.
Persönlich wünsche ich mir, dass sich meine Nachkommen weiterhin für den Betrieb interessieren. Mit meinem Sohn hat das ja gut geklappt, ich hoffe, dass es mit seinen Nachfolgern auch so gut funktioniert.

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Hotel Salzburgerhof | Holleis Hotel GmbH

  Auerspergstraße 11 , 5700 Zell am See
  Österreich
  +43 6542 765-0

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